Welcome to Thailand

Posted on: Oktober 2nd, 2016 by admin No Comments

Welcome to Thailand – was sich für diejenigen, die noch nicht in Thailand waren und hier so ihre Erfahrungen sammeln konnten, anhört wie eine freundliche Begrüßung im ´Land des Lächelns´, ist in Wirklichkeit ein geflügelter Ausdruck derer, die schon öfter hier gereist sind oder die hier als Auswanderer leben. Welcome to Thailand ist dabei meist ironisch gemeint, aber (fast) immer auch liebevoll und die Farangs benutzen ihn, um auf einen Umstand oder eine Skurrilität aufmerksam zu machen, die es wirklich auch nur in Thailand geben kann.

Was ein Farang ist, fragen Sie sich? Auch dieses Wörtchen werden Sie vom ersten Moment Ihrer Landung an hier öfter hören, wenn Sie mal darauf achten. Und um es kurz zu machen: Ein Farang ist jeder, der kein Thai ist oder aus einem der Nachbarländer kommt. Ob schwarz, bleichgesichtig, Japaner, Araber oder ein sonnenverbrannter Tommy – alles Farangs. Da kann man hier auch schon seit 20 Jahren leben, eine Thai geheiratet und Kinder mit ihr haben, ein gut gehendes Restaurant führen und festes, ehrbares Mitglied der Dorfgemeinschaft sein, man ist und bleibt der Farang. Sie mögen fließend Thai sprechen und wenn Sie mit Thais zusammen sitzen und sich diese über Sie unterhalten – und Sie verstehen ganz genau, was sie sagen – dann nennt man Sie immer noch den Farang.

Das ist aber nicht böse gemeint. Im Gegenteil: Es ist zwar keine Anerkennung und auch kein Titel, aber die Thais benutzen das Wort mit einer Selbstverständlichkeit in Ihrem Sprachgebrauch, welche nahelegt, dass man als Farang durchaus willkommen ist, solange man sich ein wenig anpasst. Das deutsche Wort Ausländer zum Beispiel hat einen wesentlich negativeren, bittereren Beigeschmack als das nette Wörtchen Farang.

Welcome to Thailand

Die Farangs, die, die Thailand schon ein bisschen kennen jedenfalls, die sagen Welcome to Thailand, wenn mal wieder das typisch thailändische Lebensgefühl sehr offensichtlich wird. Ein Beispiel: Sie kommen in ein völlig leeres Restaurant und setzen sich mit einem freundlichen Hallo an einen Tisch. Sage und schreibe fünf Bedienungen sitzen ebenfalls herum und texten in ihre Smartphones eifrig Nachrichten oder gucken eine ihrer heißgeliebten Seifenopern in dem obligartorischen, hochmodernen Flachbildschirm, der IMMER läuft. IMMER! Und keiner der fünf wird den Blick von den diversen flimmernden Bildschirmen wenden, um Sie zu empfangen. Das nämlich muss solange warten, bis einer der fünf mit texten fertig ist oder eine lästige Werbepause die Seifenoper unterbricht. DANN, vielleicht, kommt eine Bedienung an Ihren Tisch geschlurft. Und das ist dann Welcome to Thailand. Hier ticken die Uhren eben anders und Service am Kunden wird solange nicht großgeschrieben, wie einem der Manager oder die Chefin nicht im Nacken sitzt oder Sie einem der Bildschirmbegeisterten nicht ein Kompliment über ihre Frisur in lupenreinem Thai machen. Und das meinen die Bedienungen auch gar nicht persönlich gegen Sie, sondern so ist das eben. Das ist Thailand. Welcome!

Sie fahren ohne Helm Motorrad? Stecken Sie dem Polizisten unauffällig 200 Baht zu, denn nur deshalb hat er Sie angehalten. Welcome to Thailand. Sie fragen sich, warum im Taxi ein Aufkleber hängt, auf dem steht: ´Fart in the car to add 150 Baht´ – oder mit anderen Worten: ´Wenn Sie im Auto furzen macht das 150 Baht (3,50 Euro) extra´? Der hängt da nicht etwa, weil der Taxifahrer gierig ist oder eine zu empfindliche Nase hat, sondern weil das typischer Thai-Humor ist, der einem Fahrgast aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz vielleicht ein wenig speziell vorkommt. Welcome to Thailand. Ihnen fällt im Beisein von ein paar Thais ein riesiger Gecko von der Decke mitten auf das Gesicht und Sie erschrecken sich zu Tode, die Thais aber reichen Ihnen die Hand, fassen Sie an und beglückwünschen Sie, anstatt mit Ihnen zu fühlen? Geckos gelten hierzulande nämlich als gorßartige Glücksbringer und Ihnen kann gar nichts besseres passieren, als dass ein Riesenexemplar mitten in Ihrem Gesicht landet. Zur Not tut´s auch, wenn er nur mal kurz…auf Sie kackt. Welcome to Thailand.

Je länger Sie in Thailand verweilen, desto offensichtlicher wird es, dass hier einiges ganz anders läuft als daheim. Verstehen Sie mich nicht falsch, das System hier ist mehr oder weniger dasselbe. Kapitalismus und globale Zwänge beeinflussen die Arbeitswelt und politische Entscheidungen. Aber im Detail wird es dann nach und nach immer deutlicher, dass wir hier Fremde sind, die viel zu beobachten und noch mehr zu lernen haben, wenn wir alles verstehen und alles richtig machen wollen. Vielleicht reicht ein ganzes Leben auch nicht aus, um alles in diesem herrlichen, aber ebenso komplizierten Land zu verstehen. Aber das müssen Sie auch gar nicht, wenn Sie hier zum Urlaub her kommen. Aber egal, ob Sie zwei Wochen Pauschalurlaub am Strand gebucht haben oder für 6 Monate mit dem Rucksack hier unterwegs sind – ein paar Tipps abseits der großen, orangefarbenen Reiseführer werden Ihnen sicher hilfreich dabei sein, Ihren Aufenthalt und das Miteinander hier noch mehr zu genießen.

So möchte ich mich im Folgendem auch nicht missverstanden wissen. Dies ist ist kein Reiseführer und ich will Ihnen auch nicht sagen, wie Sie am besten in Thailand zu reisen haben. Ich möchte Ihnen vielmehr einige Ratschläge und Denkanstösse mitgeben, die Sie betreffen, wenn Sie nach Thailand reisen.

Wenn Sie schon einmal hier waren, finden Sie einige Vermutungen ihrerseits sicherlich bestätigt, einiges wird vielleicht (hoffentlich) auch Ihnen neu sein. Wenn Sie noch nie in Thailand waren, nehmen Sie diese Seiten als eine willkommene Lektüre, nicht, um der Super-Traveller zu werden, sondern nur für sich persönlich den Blickwinkel vielleicht einmal woanders hinzurichten, als die meisten anderen Reisenden es tun.

Und zuallererst richten Sie mal den Blickwinkel auf sich selber und weg von den ganzen Erwartungen, die Sie an die Reise haben.  Genießen Sie auf diesen Seiten einfach mal ein paar Eindrücke und Gedanken zum Thema ´Reisen in Thailand´, die Sie ein wenig von den ausgetretenen Touristenpfaden fortlocken sollen. Im besten Fall sind sie amüsant und unterhaltsam. Im noch besseren Fall erweitern sie ein wenig Ihren Horizont, bevor Sie überhaupt hier landen.  Aber in jedem Fall helfen Sie Ihnen, Thailand etwas besser zu verstehen. Und was will man mehr, wenn man ans andere Ende der Welt reist? Ein wenig mehr Verständnis von sich und der Fremde.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch “Thailand entdecken” von Julius Gregor.

 

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