Guangzhou Südbahnhof – der wichtigste Verkehrsknoten im Perlflußdelta

Posted on: Februar 7th, 2013 by admin 3 Comments

In Guangzhou gibt es nicht nur viele neue, glitzernde, sich in der Höhe, den Namen ihrer Architekten, dem Design und natürlich den Kosten überbietende Wolkenkratzer, es gibt auch einen neuen Bahnhof – den Südbahnhof Guangzhou.

Bevor der Bau des neuen Südbahnhofes beschlossen wurde, verfügte Guangzhou zwar schon über 4 Bahnhöfe, aber deren Kapazität und Lage genügte dem ständig wachsenden Passagierstrom schon lange nicht mehr. Die im Bau befindlichen zahlreichen neuen Bahnlinien in der Provinz Guangdong, nicht nur für Hochgeschwindigkeitszüge, verschärften das Problem zusäztlich.

Nach ausführlicher Diskussion zwischen dem Eisenbahnministerium und den örtlichen Verwaltungen entschied man sich dafür, einen neuen Bahnhof in dem Ort Shibi Village, Zhongcun Town, Panyu District, etwa 17 km vom Zentrum Guangzhous entfernt zu bauen.

Der „neue Südbahnhof“ in Guangzhou, im Gegensatz zum bereits 1901 errichteten „alten“ Südbahnhof – „Guangzhou nanzhan“, der vorwiegend dem Frachtverkehr diente, sollte aber nicht nur ein weiterer Bahnhof werden, sondern der wichtigste Verkehrsknoten im Perlflußdelta. Heute verbindet der Südbahnhof nicht nur normale Eisenbahnlinien miteinander, sondern auch die Linien von Hochgeschwindigkeitszügen, U-bahnen, Autobahnen, Schnellstraßen und liefert den Bahnanschluß an den Baiyun International Airport

In mehreren international ausgeschriebenen Wettbewerbsrunden für das beste Design des neuen Südbahnhofes in Guangzhou kristallisierte sich „TFP Farrells“ heraus, ein international renommiertes Architektur- und Planungsbüro mit Sitz in London und Hongkong und Niederlassungen in Beijing und Shanghai, das in China schon einige bedeutende Projekte realisiert hat.

Die Konstruktionsunterlagen wurden natürlich nicht allein von „TFP Farrells“ erstellt. Partner waren dabei „China’s Fourth Railway Survey and Design Institute“, das „Beijing Institute of Architectural Design“, „Schlaich Bergermann, Beratende Ingenieure“, „Atkins Consultants (Shenzhen)“, „Ove Arup & Partners (Shenzhen)“, „Tsinghua University’s school of architecture“, um nur einige zu nennen. Jeder Partner hatte dabei Aufgaben für ganz bestimmte Bereiche zu lösen.

Der Bahnhof ist in 4 Ebenen gegliedert. Die unterste Ebene, die sich unterirdisch befindet, dient der Anbindung des Bahnhofes an das U-Bahnnetz. Hier verkehrt zur Zeit die Line 1. Geplant ist eine weitere Linien, deren Stationen schon vorbereitet sind. Unterirdisch befinden sich auch die Stellflächen für 1808 PKW. Die zweiten Ebene, die erste an der Erdoberfläche, dient der Anbindung an den Straßenverkehr. Hier verkehren Taxis, Stadtbusse und Fernbusse. Die dritte Ebene, die zweite überirdischen Ebene, dient mit der Anbindung an die verschiedenen Bahnnetze als eigentlicher Bahnhof. Neben den Bahnsteigen gibt es hier auch eine Vip-Lounge. Die vierte Ebene, die dritte überirdische Ebene, dient als Wartesaal mit entsprechenden Service- und Handelseinrichtungen.

Baubeginn für den Südbahnhof war im Dezember 2004. Am 30. Januar 2010 wurde der Eisenbahnverkehr aufgenommen und am 25. September 2010 auch der U-Bahnverkehr. Das geplante Investitionsvolumen belief sich auf 13 Milliarden Yuan RMB.

Die momentan zu bewältigende Zahl der Reisenden wird mit durchschnittlich 200 000 Passagieren pro Tag angegeben, das entspräche einer jährlichen Zahl von 73 Millionen Passagieren. Bis zum Jahr 2020 wird mit einer Steigerung auf jährlich 80 Millionen Passagiere gerechnet. Für das Jahr 2030 rechnet man mit 300 000 Passagieren pro Tag, das entspräche einer jährlichen Zahl von 109,5 Millionen Passagieren. Die maximale Kapazität des Bahnhofes beträgt 112 Millionen Passagiere pro Tag.

3 Responses

  1. Christian sagt:

    Vielen Dank für den sehr informativen Artikel.
    Von der Dachkonstruktion her sieht der Bahnhof ja wirklich wunderbar aus :)
    Für mich ist die Zahl an Passagieren ja kaum vorstellbar. Aber das ist halt Asien.

    Lieben Gruss
    Christian

  2. Oli sagt:

    Ich war vor zwei Jahren dort und war nicht so sehr begeistert. Die Konstruktion ist zwar super modern und gut gelungen mit viel Raum. Aber ich musste in Guangzhou Ost mit einem anderen Zug weiterfahren (Route Shenzhen – Changsha). Und für das Umsteigen brauchte ich etwa gleich lange wie für die ganze Zugfahrt. Also etwa zwei Stunden.

    Für mich ist Guangzhou Süd erneut eines der vielen Beispiele in China, dass es nur darum geht, dass etwas toll aussieht. Der Nutzen kommt er weit danach.

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