Das Opernhaus in Guangzhou

Posted on: Januar 19th, 2013 by admin No Comments

Es gibt Leute, die sind von Opernhäusern und ihrer Architektur so begeistert, daß sie die Jahrhunderte danach einteilen.
Für das 19. Jahrhundert soll die von Charles Garnier entworfene Oper in Paris stehen, für das 20. Jahrhundert die von Jørn Utzon entworfene Oper in Sydney und für das 21. Jahrhundert die von Zaha Hadid entworfene Oper in Guangzhou.

Guangzhou, die Hauptstadt der Provinz Guangdong, ist auch bekannt unter dem Namen Kanton. Doch mit dem Namen Kanton verbindet sich eher eine historisierende Sichtweise. Der heute auch im Ausland immer gebräuchlichere Name Guangzhou assoziiert eine boomende Millionenstadt, die sich immer mehr zu einer Metropole entwickelt. Da dürfen natuerlich Kunst und Kultur nicht zu kurz kommen.

Das neue Opernhaus im Guangzhou befindet sich nahe des Ufers des Perlflusses – [auch bekannt als Pearl river oder Zhujiang in Chinesisch].
Das regte die aus dem Irak stammende britische Architektin Zaha Hadid an, das Ensemble der Oper in Anlehnung an zwei Gesteinsbrocken die vom Wasser gerundet wurden, zu entwerfen.
Lange Zeit galten Entwürfe von Zaha Hadid als zu extravagant, zu unpraktisch und zu schwer zu realisieren. Inzwischen ist sie aber eine begehrte Architektin mit mehreren internationalen Auszeichnungen und Auftraggebern, die sich nicht scheuen, neue Wege zu gehen. Trotzdem fühlt sich Zaha Hadid in der männlich dominierten Architekturbranche immer noch nicht wirklich akzeptiert.
In China allerdings arbeiten sie und ihre Mitarbeiter gleich an 5 Projekten.

Das Opernhaus in Guangzhou wurde im Februar 2011, nach 7-jähriger Bauzeit, eröffnet.
Das Ensemble zeigt natürlich die „typische Handschrift“ von Zaha Hadid und stellte die mit ihr zusammenarbeitenden und leider nicht so im Rampenlicht stehenden Bauingenieure, die die Ideen der Architekten realisieren müssen, wieder einmal vor große Herausforderungen.

Man glaubt es gäbe keinen rechten Winkel, keine Wand stehe senkrecht. Kaum eine Decke erscheint wirklich waagerecht in ihrer Konstruktion, selbst Pfeiler sind geneigt. Andererseits sind Gänge, Kanten und Ecken häufig gerundet. Das fällt besonders im großen 1800 Sitze umfassenden Konzertsaal auf.
Neben den fließenden Formen treten aber, besonders im Bereich der „Fenster“, auch eckige und kantige Formen auf.

Die Bewunderer ihrer Architektur sprechen dann auch von „fließender Nahtlosigkeit“ oder gar von „kristallin und organoid: zwei Sprachen in einem Haus“.
Andere machen genau das wiederum zum Aufhänger ihrer Kritik.
Aber wie heißt es so schön – „allen wohlgetan ist eine Kunst, die keiner kann“.
Und dem Bauherren hat es offensichtlich gefallen.

Die glatten, fugenlosen und geschwungenen Formen im Innenausbau des Opernhauses, die ein Markenzeichen von Zaha Hadid sind, wurden erst durch die Verwendung des modernen Acryl basierten Werkstoffes „HI-MACS®“ möglich, der hier, so scheint es, fast exessiv zur Anwendung kam.

So wie das Äußere und Innere der Gebäude den neusten Stand der Bau- und Ingenieurkunst darstellen, sind natürlich auch Akustik und Beleuchtung mit modernsten Mitteln realisiert worden und auf dem neuesten Stand der Technik, um den Besuchern ein Optimum an Opern-, Konzert- Ballett- und Theatergenuß zu bieten. .

Abschließend noch eine Bemerkung: in zwei Dingen sind sich die Kommentatoren in den Architekturforen einig, egal ob man es „schön“ findet oder nicht, interessant ist es schon und ein gutes oder schlechtes Foto allein kann noch keinen echten Eindruck vermitteln. Da hilft nur hinfahren und selber ansehen.
www.china-entdecken.com ist dabei gern behilflich.

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