Blindenschule in Lhasa

Posted on: Dezember 8th, 2012 by admin No Comments

Tibet ist eines der beliebtesten Ziele für China-Reisende. Neben traumhaften Landschaften mit Schnee bedeckten Bergen, weiten Ebenen und faszinierenden Tempeln, mit Mönchen und Buddha-Statuen, gibt es aber auch andere Besonderheiten. Zum Beispiel in Lhasa, der Hauptstadt der Autonomen Region Tibet, gibt es eine ganz spezielle Schule, der man bei Gelegenheit auch einen Besuch abstatten sollte.

Die Schule ist eng mit dem Wirken von Sabriye Tenberken aus Bonn verbunden. Seit dem zwölften Lebensjahr blind, machte sie ihr Abitur an der Blinden-Studien-Anstalt in Marburg und studierte an der Friedrich- Willhelms- Universität in Bonn Zentral-Asien-Wissenschaften, mit den Schwerpunkten “Tibet” und “Mongolei”. Außerdem erlernte sie die moderne chinesische Sprache. Um ihr Studium bewältigen zu können, entwickelte sie im Jahre 1992 eine Blindenschrift für die tibetische Sprache.

Im Sommer 1997 reiste sie nach Tibet. Ihr Interesse galt besonders den Lebensbedingungen blinder Menschen im tibetisch-sprachigen Raum. Da in dem buddhistisch geprägten Glauben der Menschen dort alle Lebensumstände die Folge von Taten in früherer Leben sind, ist auch Blindsein eine gegenwärtige Strafe für Vergehen in vergangenen Leben. Oft werden Blinde von ihren Familien deswegen auch verstoßen.

Die wahren Ursachen sind aber das starke ultraviolette Licht, Entzündungen der Augen durch Ruß der offenen Feuer aus Kohle und Yak-Dung, Vitamin A Mangel und fehlende medizinische Versorgung. In Lhasa traf sie Paul Kronenberg, der von ihrem Mut beeindruckt war. Sie konnte ihn für die Idee, eine Blindenschule in Lhasa zu errichten, begeistern. 1998 hatte sie auch die örtlichen Behörden überzeugt und es konnte ein Blindenzentrum eröffnet werden, das sich zu einem großen Teil aus Spendenmitteln finanziert.

Anfänglich waren die beiden noch selbst mit der Leitung des Zentrums und dem Unterrichten beschäftigt. Inzwischen haben sie diese Aufgaben aber weitergegeben und beschäftigen sich mit einem neuen Projekt in Indien. Die aus dem Projekt des Blindenzentrums in Lhasa hervorgegangene Organisation „Braille ohne Grenzen“ ist heute hauptsächlich verantwortlich für das Weiterbestehen der Schule.

Dreißig Schüler aller Altersklassen leben jährlich in der Internatsschule in Lhasa. Sie erlernen dort aber nicht nur in tibetisch, chinesisch und englisch Lesen und Schreiben, sondern vor allem sich um sich selbst kümmern zu können. Denn die Integration der blinden Schüler in die Gesellschaft ist erst dann erfolgreich, wenn sie von ihnen selbst vollzogen wird. Außerdem können die Schüler eine Berufsausbildung z. B. zum Masseur oder Physiotherapeuten absolvieren, eine musische Ausbildung erhalten und den Umgang mit einem, für Blinde ausgestatteten Computer erlernen. Die Ausbildung bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit landwirtschaftliche Kenntnisse bei der Milchverarbeitung, der Joghurt- und Käseherstellung, der Tierhaltung, dem Anbau von Gemüse und Getreide zu erwerben.

Nach der Ausbildung kehren viele der Schüler zurück in ihre Heimatdörfer um dort ihr Leben zu gestalten Durch ihre für die Region ungewöhnlichen Fähigkeiten ändert sich die Einstellung der Menschen Blinden gegenüber in den Dörfern allmählich. Obwohl das Blindenzentrum sich in einer kleinen Nebengasse der Jiangsu-Straße befindet, ist es in Lhasa inzwischen recht bekannt. Für ihre Arbeit erhielten Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, drunter den „Freundschaftspreis der Volksrepublik China“ die höchste Auszeichnung des Landes für ausländische Experten, die zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in China beitragen.

Wer mehr über Tibet wissen möchte oder gar nach Tibet reisen will, kann sich an uns (china-entdecken.com) wenden. Dort steht man gern mit Rat und Tat zur Verfügung.

Foto:  © enote – Fotolia.com

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