Guangzhou International Finance Center

Posted on: Januar 29th, 2013 by admin No Comments

Vor Kurzem berichtete “DAS ASIEN PORTAL und China-entdecken.com” über den, nicht nur durch seine 600 m Höhe beeindruckenden „Canton Tower“ – den neuen Fernsehturm in Guangzhou.

Zur Erinnerung – der Fernsehturm in Guangzhou besticht vor allem durch sein äußeres Erscheinungsbild, den von einem Gitter umschlossenen hyperboloiden Körper, der entsteht, wenn man ein Gitter aus sich kreuzenden Stäben, die entlang einer Ellipse aufgestellt sind, verdrillt.

Heute geht es um den in Guangzhous “Zhujiang New Town”, im „Tianhe District“ befindlichen 440 m hohen Wolkenkratzer des „Guangzhou International Finance Center”, der auch als „Westturm“ bezeichnet wird, im Gegensatz zum „Ostturm“.
Denn ursprünglich sollten – wohl nach amerikanischen Vorbild – Zwillingstürme errichtet werden.

Man findet als englische Übersetzung des chinesischen Namens sowohl die amerikanischen Form „Guangzhou International Finance Center“ als auch die britische „Guangzhou International Finance Centre“, was sich natürlich auf Recherchen im Internet auswirkt.

Als nach fast 5 Jahren Bauzeit der „Westturm“ vollendet war und zu diesem Zeitpunkt schon der Moment absehbar war an dem der „Canton Tower“ höher werden würde als die Zwillingstürme, hat der Bauherr, die „Yuexiu Property Group” im Jahr 2010 das Vorhaben zur Errichtung des zweiten Turms als Zwilling verworfen.
Der Ostturm, der den Namen des breitgefächerten Hongkonger Unternehmens „Chow Tai Fook“ tragen soll, wird zwar gebaut werden und mit dem Westturm, dem „Guangzhou International Finance Center”, Teil eines Komplexes sein, aber mit einem völlig neuen Design, das nun von dem amerikanischen Architekturbüro “Kohn Pederson Fox” entworfen wurde. Wahrscheinlich ist auch der Bauherr ein anderer. Denn nach außen erscheint auch die „Yuexiu Property Group” nicht mehr als “Developer/Bauherr“.
Die neue Planung sieht ein 530 m hohes Gebäude vor, das wenigstens das Hochhaus “Taipeh 101 [508 m hoch] um ein paar Meter überragen wird.
Das „Chow Tai Fook Centre“ im Ostturm soll zwar im Jahr 2016/2017 eröffnet werden, mehrfache Bauunterbrechungen lassen aber Zweifel an dem Termin aufkommen.

Auch dieses Hochhaus, so sieht die Planung vor, wird, wie das „Guangzhou International Finance Center”, ein “klassisches” Bürohochhaus, das zur besseren Auslastung ebenfalls mit einem Hotel versehen werden soll.

Aber zurück zum „Guangzhou International Finance Center”.
Obwohl das Gebäude ein weiterer Glitzerturm aus Stahl, Glas und Beton ist, wurde es wegen einiger Besonderheiten mit zahlreichen Preisen bedacht.
[CTBUH Best Tall Building 2011, Asia/Australia, RIBA International Award 2012, Lubetkin Prize 2012, Hoerrcken-Snoerkel Prize 2012] Alles Preise die zumindestens in Fachkreisen bekannt sind.

Das Architektur-Büro „Wilkinson Eyre Architects“ gewann den durch die „Yuexiu Property Group” ausgeschriebenen internationalen Designer Wettbewerb für das „Guangzhou International Finance Center“
In Zusammenarbeit mit dem “Architecture Design Institut” der “South China University of Technology” und “Arup” wurden dann die technischen Details erarbeitet.

Wie beim „Canton Tower“ kam auch beim „Guangzhou International Finance Center” die sogenannte Diagrid-Struktur zur Anwendung, ein in der modernen Architektur besonders bei Hochhäusern sehr beliebtes Mittel, da es, unter anderem, „fließende“ Formen des Gebäudes erlaubt. Bei dieser Technologie werden die tragenden Säulen gegeneinander geneigt und in den Kreuzungspunkten mit einander verbunden. Ein auch von Arup häufig benutztes Designelement.

Während beim „Canton Tower“ die tragenden Säulen ein sichtbares „Außenskelett“ bilden, dient die äußere Gitterstruktur beim „Guangzhou International Finance Center” zur Aufhängung einer durchsichtigen Glasfassade, die gleichzeitig als Außenwand dient. Das durch das Glas durchscheinende Gitterwerk der Säulen gibt dem bläulich schimmernden Gebäude, neben seiner Form, ein weiteres besonderes Gepräge.

Die Gestalt des Gebäudes wird zum Einen durch seine fließende Form bestimmt, die sich aus seinem Querschnitt ergeben – einem sphärisches Dreieck mit zusätzlichen „runden Ecken“ und zum Anderen aus der Wölbung / Ausbauchung der Außenwände.
Von unten beginnend, bis in eine Höhe von etwa einem Drittel, nimmt der Querschnitt zu, um dann, bis zum Dach in 438 m Höhe, wieder abzunehmen.

Damit hat das Gebäude Analogien mit, allerdings aus Ziegelsteinen errichteten, mehr als 1000 Jahre alten tangzeitlichen Pagoden.

Wie bereits erwähnt ist das „Guangzhou International Finance Center“ ein Hochhaus mit gemischter Nutzung.
Neben Tiefgaragen, glitzernden Einkaufsmeilen für Luxusartikel, einem Konferenzzentrum und Apartmentwohnungen für Bewohner mit besonderem Anspruch und 66 Etagen mit Büroräumen, gibt es von der 69. bis zur 98. Etage noch ein Hotel.

Allerdings nicht irgend ein Hotel – sondern ein „Four Seasons Hotel“ mit allem was dazugehört.
Das Hotel mit seiner Lobby und den 344 Gästezimmern/Suiten ist auf den letzten 33 Etagen des Wolkenkratzers entlang der Außenwand gruppiert, so daß ein riesiges, rund 100 m hohes Atrium in der Mitte des Gebäudes entsteht.
Das Atrium ist wiederum verglast und läßt ähnlich wie bei der äußeren Glashülle nun aber das innere, tragende Säulengitter durchscheinen.

Auch das Atrium ist kein ganz neuer Einfall, und wurde schon von Arup verwendet. In seiner Ausführung im „Guangzhou International Finance Center“ ist es aber auch wieder sehr beeindruckend und einen Besuch wert.

Ganz oben befindet sich die „Skylobby“ und natürlich eine Aussichtsetage.

Das Gebäude wird abschließend von einem Hubschrauberlandplatz in 440 m Höhe gekrönt.
Neben dieser Möglichkeit das Gebäude zu erreichen, wirkt die Anbindung an das U-Bahnnetz fast schon alltäglich.

Foto: © China-entdecken.com

Leave a Reply